CRS / FATCA-Berichterstattung

Schweizer Trustees unterliegen strengen Meldepflichten bezueglich des automatischen Austauschs von Steuerinformationen, sowohl auf internationaler Ebene (CRS) als auch gegenueber den Vereinigten Staaten (FATCA).

Der Rechtsrahmen in der Schweiz

Die Schweiz hat zwei Regime des automatischen Informationsaustauschs in Steuersachen eingefuehrt, die direkt auf professionelle Trustees anwendbar sind:

  • FATCA (Foreign Account Tax Compliance Act): Seit 2014 in Kraft gemaess dem zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten abgeschlossenen zwischenstaatlichen Abkommen (IGA). FATCA verpflichtet Schweizer Finanzinstitute, einschliesslich Trustees, Konten von US-Personen (US-Staatsangehoerige, Daueraufenthaltsberechtigte, Green-Card-Inhaber) zu melden.
  • CRS (Common Reporting Standard): Seit 2017 in Kraft gemaess dem Bundesgesetz ueber den internationalen automatischen Informationsaustausch in Steuersachen (AIAG) und dem multilateralen Abkommen der zustaendigen Behoerden (MCAA). Die Schweiz tauscht Informationen mit ueber 100 Partnerjurisdiktionen aus.

Klassifizierung von Trusts unter dem CRS

Die CRS-Behandlung eines Trusts haengt von seiner Klassifizierung als Finanzunternehmen oder Nicht-Finanzunternehmen ab. In der Praxis werden die meisten von einem professionellen Schweizer Trustee verwalteten Trusts als von einem Finanzinstitut (dem Trustee) verwaltete Investmentgesellschaften klassifiziert, was sie zu meldenden Finanzinstituten macht.

Die Folgen dieser Klassifizierung sind erheblich:

  • Der Trust selbst ist ein meldendes Finanzinstitut, das meldepflichtige Personen identifizieren und melden muss
  • Die «kontrollierenden Personen» des Trusts umfassen den Settlor, den Trustee, den Protector, namentlich genannte Beguenstigte und jede andere Person, die letztlich wirksame Kontrolle ueber den Trust ausubt
  • Die Meldung umfasst die Identitaet dieser Personen, ihre steuerliche Ansaessigkeitsjurisdiktion sowie den Wert des Trusts und die ihnen zugerechneten Einkuenfte

Meldepflichtige Personen

Fuer einen von der Schweiz aus verwalteten Trust sind folgende Personen potenziell unter dem CRS meldepflichtig:

  • Der Settlor: Wird stets als kontrollierende Person gemeldet, unabhaengig von der Art des Trusts (widerruflich oder unwiderruflich)
  • Beguenstigte: In der Trust-Urkunde namentlich genannte Beguenstigte werden gemeldet. Bei Ermessenstrusts mit einer offenen Beguenstigtenklasse werden nur Beguenstigte gemeldet, die im Laufe des Jahres tatsaechlich eine Ausschuettung erhalten haben
  • Der Protector: Wird als kontrollierende Person gemeldet, wenn seine Befugnisse ihm eine wirksame Kontrolle ueber den Trust verleihen
  • Jede andere Person: Die letztlich wirksame Kontrolle ueber den Trust ausubt (z.B. ein Anlageberater mit weitreichenden Befugnissen)

Meldeverfahren

Das CRS/FATCA-Meldeverfahren folgt einem strengen jaehrlichen Kalender:

  • Informationserhebung: Der Trustee erhaelt von jeder meldepflichtigen Person ein steuerliches Selbsterklaerungsformular, einschliesslich ihrer steuerlichen Ansaessigkeitsjurisdiktion und Steueridentifikationsnummer (TIN)
  • Statusbestimmung: Der Trustee bestimmt den Status jeder Person (ansaessig in einer Partnerjurisdiktion oder nicht) und ueberpreuft die Plausibilitaet der bereitgestellten Informationen
  • Berichtserstellung: Der Trustee erstellt die jaehrliche Erklaerung im XML-Format gemaess den von der Eidgenoessischen Steuerverwaltung (ESTV) definierten Schemata
  • Uebermittlung an die ESTV: Die Erklaerung wird der ESTV vor dem 30. Juni jedes Jahres fuer den Meldezeitraum des vorhergehenden Kalenderjahres uebermittelt
  • Austausch durch die ESTV: Die ESTV uebermittelt die Informationen an die Steuerbehoerden der betreffenden Partnerjurisdiktionen, die dies im Gegenzug ebenso tun

FATCA-spezifische Pflichten

FATCA erlegt zusaetzliche spezifische Pflichten auf, wenn der Trust Verbindungen zu den Vereinigten Staaten hat:

  • Identifizierung jeder US-Person unter den Settlors, Beguenstigten und anderen kontrollierenden Personen
  • Jaehrliche Meldung an die ESTV von Konten, die von US-Personen gehalten werden (Formular 8966)
  • Erlangung einer Global Intermediary Identification Number (GIIN), wenn der Trust als teilnehmendes auslaendisches Finanzinstitut (Participating FFI) klassifiziert ist
  • Anwendung der 30%igen FATCA-Quellensteuer auf bestimmte Zahlungen aus US-Quellen, wenn der Trust nicht konform ist

Fuer Trusts mit Beguenstigten oder Vermoegenswerten in den Vereinigten Staaten ist die FATCA-Compliance eine kritische Frage, die besondere Aufmerksamkeit und oft die Einbeziehung eines auf US-Besteuerung spezialisierten Steuerberaters erfordert.

Folgen der Nichteinhaltung

Die Nichteinhaltung der CRS/FATCA-Pflichten setzt den Trustee und den Trust schwerwiegenden Konsequenzen aus:

  • Verwaltungsrechtliche Sanktionen der ESTV von bis zu CHF 250'000
  • Strafrechtliche Sanktionen bei vorsaetzlicher Verletzung (Bussen oder sogar Freiheitsstrafen)
  • Reputationsrisiko und moegliche Gefaehrdung der FINMA-Lizenz
  • Fuer FATCA: 30%ige Quellensteuer auf Zahlungen aus US-Quellen

Häufig gestellte Fragen

Muss ein Schweizer Trustee alle von ihm verwalteten Trusts unter dem CRS melden?
Ja. Als meldendes Finanzinstitut unter dem CRS muss der Schweizer Trustee Finanzkonten von Personen identifizieren und melden, die in einer Partnerjurisdiktion steuerlich ansaessig sind. In der Praxis werden Trusts je nach ihrer Art als Investmentgesellschaften oder passive Nicht-Finanzunternehmen (passive NFEs) behandelt, und die Meldungen umfassen Settlors, Trustees, Protectors und Beguenstigte mit Wohnsitz in Partnerjurisdiktionen.
Was ist der Unterschied zwischen CRS und FATCA?
FATCA (Foreign Account Tax Compliance Act) ist ein US-Gesetz, das auslaendische Finanzinstitute verpflichtet, Konten von US-Personen an den IRS (Internal Revenue Service) zu melden. Der CRS (Common Reporting Standard) ist der globale Standard fuer den automatischen Informationsaustausch, entwickelt von der OECD und von ueber 100 Jurisdiktionen uebernommen. Die Schweiz wendet beide Regime an: FATCA gemaess einem bilateralen Abkommen mit den Vereinigten Staaten und den CRS gemaess dem Bundesgesetz ueber den internationalen automatischen Informationsaustausch in Steuersachen (AIAG).
Welche Informationen werden unter dem CRS ausgetauscht?
Die ausgetauschten Informationen umfassen die Identitaet der meldepflichtigen Personen (Name, Adresse, Geburtsdatum, Steueridentifikationsnummer, Ansaessigkeitsjurisdiktion), die Kontonummer, den Saldo oder Wert des Kontos am Jahresende und die Bruttoeinkuenfte (Zinsen, Dividenden, Kapitalgewinne, sonstige Einkuenfte). Bei Trusts werden Informationen zu Settlors, Beguenstigten und anderen kontrollierenden Personen gemeldet.
Unterliegt der Trust dem CRS, auch wenn keine Ausschuettungen erfolgen?
Ja. Der CRS verlangt die Meldung von Finanzkonten unabhaengig davon, ob Ausschuettungen erfolgt sind. Der Saldo oder Wert des Trusts am Ende des Kalenderjahres wird gemeldet, zusammen mit Informationen zu kontrollierenden Personen, auch wenn keine Zahlung an Beguenstigte erfolgt ist.
Kann ein Schweizer Trustee CRS/FATCA-Meldungen verweigern?
Nein. CRS- und FATCA-Meldepflichten sind zwingende gesetzliche Verpflichtungen. Nichteinhaltung setzt den Trustee verwaltungs- und strafrechtlichen Sanktionen aus. Ein FINMA-lizenzierter Trustee ist verpflichtet, diese Pflichten vollstaendig zu erfuellen und sicherzustellen, dass die gemeldeten Informationen korrekt und vollstaendig sind.

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